Japan 01: Lange hat's gedauert...

zunächst mit dem Praktikumsbeginn und dann mit meinem Internetanschluss, aber wie's so schön heißt: Was lange währt, wird endlich gut!

Ich fange mal vorne an und werde zusehen, daß ich in den nächsten Tagen noch ein paar Einträge poste, über das was ich hier in den ersten drei Wochen erlebt habe.

Nachdem sich Makino, die Firma, bei der ich mein Praktikum absolviere, erst ewig nicht gemeldet hatte und ich schon fest damit gerechnet hatte, daß es doch nichts mit meiner Rückkehr nach Japan wird, bekam ich am 01. Oktober Bescheid doch bitte am 05. Oktober in Tokyo auf der Matte zu stehen. Das nenne ich mal spontan! Aber alles klar! Flug gebucht, Sachen zusammen gerafft und Abflug!

Los ging's am Sonntag von Frankfurt aus über Paris nach Tokyo-Narita, wo ich dann morgens nicht schön ausgeruht landete. Meine Stimmung wurde dann auch nicht besser, als ich der Beamtin der Einwanderungsbehörde mehrmals erklären musste, dass ich noch keine Adresse in Japan hätte, wo man mich erreichen könnte – „Nein, auch kein Hotel!“ – lediglich eine Telefonnummer. Im Endeffekt hat sie mich dann aber doch ohne Angabe einer Adresse einreisen lassen. So bin ich weiter, habe meinen Koffer geholt und bin zum Zoll. Zu verzollen hatte ich zwar nichts, aber der Zollbeamte wollte trotzdem gerne wissen, was ich denn in Japan wollte, und – haha! – wo ich denn wohnen würde. „Nein, auch kein Hotel!“ und es ging weiter zum Geldwechseln, wozu ich in Frankfurt und Paris nicht mehr gekommen war. Das war eine relativ schmerzlose Angelegenheit. Einen Zettel ausfüllen mit Namen, Betrag, der zu tauschenden Währung und – genau! – Hotel! Ich habe keine Ahnung, was der Geldwechsler dachte, als ich ihm den Zettel gab. Er deutete ganz kurz auf das Feld Hotel, blickte mich an, nahm dann den Zettel ganz, ganz schnell an sich und brachte mir mein Geld.

Ich habe dann noch mein Busticket gekauft und ein Handy gemietet(!) - bisher war mir nicht klar gewesen, daß auch das geht.  Zwei Stunden Busfahrt später wurde ich von einer jungen Japanerin begrüßt, die sich mir in ziemlich gutem Englisch und sehr zu meiner Überraschung als mein Kontakt, Okada-san, vorstellte und mir erklärte, was sie in den nächsten Stunden noch so mit mir vorhätte.

Überrascht deshalb, weil ich mir Okada-san eigentlich als kleinen Anzug und Brille tragenden Japaner vorgestellt hatte. Da lobe ich mir doch das bei uns gebräuchliche Herr/Frau vor'm Nachnamen.

Das Programm jedenfalls sah vor, dass wir zunächst in meiner zukünftigen Unterkunft vorbeifahren würden, damit ich mein Gepäck loswerden könnte, dann Mittagessen in der Werkskantine und schließlich noch ein kurzes Willkommen heißen durch die Bosse.

Danach ging’s zurück zu meiner Unterkunft, die sich in einem firmeneigenen Apartmentblock befindet. Das ist ähnlich aufgebaut wie ein Studentenwohnheim, in dem außer mir vor allem viele jüngere Angestellte (nur Männer, keine Ahnung, ob's auch eines für Frauen gibt) unter der Woche wohnen. Jeder hat hier seine eigenen 15m² inklusive Nasszelle und Küchenzeile. Zusätzlich gibt’s noch den Speisesaal, wo’s gratis Frühstück und Abendessen gibt, das große Gemeinschaftsbad mit Sauna, den Aufenthaltsraum mit Tischtennisplatten, Billardtisch und Dartscheibe, zwei Fernsehecken und ’nen Waschsaal.

Da mich nun mittlerweile die Müdigkeit eingeholt hatte, packte ich nur noch meinen Koffer aus und legte mich schlafen.

(Jeden Tag führt mich mein Weg diese Straße lang. So sieht's hier aus!)

Am nächsten Morgen traf ich mich noch mal mit Okada-san. Sie präsentierte mir zunächst ein paar allgemeine Informationen über Makino Milling Machines Co., Ltd., holte dann mit mir meine Arbeitsuniform, Sicherheitsschuhe und Helm und was ich sonst noch so für die nächsten zwölf Wochen brauchen würde. Wobei allerdings ein kleines Problem von etwas mehr als einer Handbreit auftrat, soviel fehlte der Hose nämlich an Länge. Man versprach sich darum zu kümmern.

Dann gab’s noch ein kleines, nicht sonderlich ergiebiges Meeting bezüglich meines nicht vorhandenen Visums, woraufhin Okada-san mit mir noch eine Führung durch das Werk machte, bevor sie mich wieder bei den Bossen vom Vortag ablieferte, die sich nun mit mir zusammensetzten und mir erklärten, was sie sich bezüglich des Ablaufes meines Praktikums ausgedacht hatten. Der Plan sieht vor, dass ich die ersten sechs Wochen in der Forschung & Entwicklung mittels Solidworks einen Schlitten für eine horizontal geführte Titanfräse mit einer Abhubrate von 400cc/min konstruiere. Danach geht’s für zwei Wochen in die Vertriebsabteilung, wo’s sich um Kundenbetreuung, den weltweiten Vertrieb der Maschinen und ähnliche Serviceleistungen drehen wird. Die letzten vier Wochen werde ich dann im Werk in Katsuyama am Fuß des Fujiyama verbringen – zwei Wochen in der Inspektion gefolgt von zwei Wochen in der Prototypenentwicklung. Ich bin damit ganz zufrieden, weil das nach einem spannenden und abwechselungsreichen Praktikum klingt.

Die Arbeitszeit beträgt 40 Stunden pro Woche, samstags und sonntags frei. Gleitzeit gibt’s hier für mich nicht. Alle kommen kurz vor 08:00 Uhr ins Werk, ziehen ihre Arbeitsuniformen an (außer den Bossen, die ihre Anzüge tragen), sitzen dann um 08:00 Uhr an ihrem Arbeitsplatz und arbeiten bis 12:00 Uhr. Ein Gong verkündet dann den Beginn der Mittagspause, woraufhin alle zusammen in die Kantine latschen, ihr Mittagessen zu sich nehmen und dann bis 12:40 Uhr die Pause verbringen. Dann weißt der Gong die Belegschaft daraufhin, dass es nun an der Zeit ist, sich wieder in Richtung Arbeitsplatz zu begeben, sodass man beim zweiten Gong um 12:45 Uhr wieder voll reinhauen kann, bis um 16:45 Uhr alle gemeinsam wieder in die Umkleidesäle stiefeln.

Fortsetzung folgt!

 

Ach! Falls ihr euch fragt, wo ich mich eigentlich genau befinde:

Firma


Wohnheim (die Karte ist wohl nicht aktuell, auf dem Acker steht mein Wohnheim)

23.10.09 12:11

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